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BiodiversitätLebensräumeWald und Gehölz

Lebensraum Wald und Gehölz

Wälder haben vielfältige Funktionen: Sie stabilisieren den Boden, regulieren das Klima, liefern Energie und Bauholz und bieten Erholungsraum. Rund 25’000 Arten, so schätzen Experten, sind direkt oder indirekt auf den Lebensraum Wald angewiesen. Viele davon sind in unserer Landschaft sehr häufig anzutreffen. Beispielsweise sind zwei Drittel der Brutvögel, die das Schweizerische Biodiversitätsmonitoring erfasst, typische Waldarten, obwohl der Wald nur ein Drittel des Landes bedeckt. Auch unter den Gefässpflanzen- und Tagfalterarten sind viele Waldarten registriert. Wo der Wald fehlt oder nur kleine Flächen vorhanden sind, kommen weniger Arten vor. Reich an Gefässpflanzenarten sind dagegen Landschaften mit Waldanteilen von 30 bis 70 Prozent. Ein ähnlicher Zusammenhang zwischen Wald und Artenreichtum besteht auch bei den Brutvögeln und Tagfaltern.

40 einheimische Baumarten in der Region

Im St.Galler Wald wachsen rund vierzig einheimische Baumarten. Jeder zweite Baum ist eine Fichte. In den letzten Jahrzehnten hat in der Schweiz der Nadelbaumbestand in den tieferen Lagen zugunsten der ortgerechteren Laubbäume abgenommen.40 einheimische Baumarten in der Region

Auf rund einem Viertel der Fläche des Kantons St.Gallen wächst Wald. Gut die Hälfte schützt vor Lawinen, Steinschlag, Rutschungen oder Hochwasser. 62 Prozent der Waldfläche gehören öffentlichen Waldeigentümern, hauptsächlich Ortsgemeinden; 38 Prozent ist Privatwald, der Rest gehört dem Kanton.

Der jährliche Holzzuwachs beträgt laut Kantonsforstamt im Durchschnitt 586’000 Kubikmeter. Davon können etwa Dreiviertel effektiv genutzt werden. Ein Grund sind die tiefen Holzpreise, welche die Erntekosten nicht decken.

Was ist zu tun?

Lichte Wälder mit verschiedenen Baumarten fördern. Totholz im Wald liegen lassen. Erholung und Holznutzung schonend betreiben.

Totholz versus Energieholz

Wildbienen bringen ihre Brut in vermoderten Baumstämmen unter. Vögel nisten in Baumhöhlen: Ein Fünftel der Tierarten im Wald sind auf Alt- und Totholz angewiesen. Totholz reichert Humus an, reguliert den Wasserhaushalt und liefert Nährstoffe für Bäume. Daneben ist Licht am Waldboden ein Schlüssel für Artenvielfalt. Totholz hat sich im Schweizer Wald in den letzten Jahren beinahe verdoppelt.

Der Bund investiert von 2008 bis 2011 knapp 39 Millionen Franken, um die biologische Vielfalt im Wald zu fördern. Dazu gehören die Ausscheidung von Waldreservaten und Altholzinseln, aber auch die Förderung von ausgewählten Tier- und Pflanzenarten und ihren Lebensräumen. Der Anteil der Waldreservate im Schweizer Wald soll bis 2015 von 3 auf 5 Prozent anwachsen.

Für die Holzindustrie geht das zu weit: Der Forstdienst «favorisiert einseitig den Naturschutz des Waldes und nimmt auf die Produktion von Holz zu wenig Rücksicht», heisst es in einer Mitteilung der Holzindustrie vom letzten November. Noch mehr Naturschutz stehe im Widerspruch zu den Zielen der Klimapolitik.

Die Holzindustrie will die Öko-Vorteile von Holz stärker nutzen. Zum Beispiel in Pelletheizungen oder Holzkraftwerken, damit könnten Erdöl- und Erdgasheizungen ersetzt werden, die das klimawirksame Treibhausgas Kohlendioxid ausstossen. Im Wald liege zuhauf Holz für die Energiegewinnung, heisst es beim Verein Holzenergie Schweiz: Dünne Äste, feines Kronenmaterial und Rinde. Holzenergie Schweiz rechnet mit einem zusätzlichen Potenzial von jährlich 2,5 Millionen Kubikmeter Energieholz. In zwanzig Jahren könne ein Viertel der Schweizer Gebäude mit Wärme versorgt werden.

Goldach TobelSo stellt sich die Frage: Wie viel Totholz braucht der Wald? Darüber weiss die Wissenschaft noch zu wenig. 10 bis 60 Kubikmeter pro Hektar wären laut europäischen Studien zur Erhaltung der Biodiversität notwendig. Der Holzvorrat toter Bäume im Schweizer Wald beträgt im Durchschnitt rund 18 Kubikmeter pro Hektar. Allerdings sind die regionalen Unterschiede gross: In den westlichen Randalpen und Voralpen gibt es dreimal mehr Totholz als im Jura.

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