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Lebensraum Siedlung

Der Rasen wird wöchentlich gemäht, die Zierhecke sorgfältig geschnitten. Für Schmetterlinge und Vögel ist da kein Platz. Ein grosser Teil der Gärten und Parkanlagen sieht sauber aus, ist pflegeleicht und lässt sich mit geringer Kenntnis unterhalten.

Das Paradies sieht anders aus: Naturnahe Gärten und Parkanlagen fördern die Artenvielfalt, säubern die Luft und kühlen die Umgebung bei sommerlicher Hitze. Viele Tiere und Pflanzen finden in lebendigen Siedlungen Ersatz für verlorene Lebensräume im Kulturland.

Auf unversiegelten Flächen im Städten und Dörfern ist laut neuem Bericht des Monitorings Biodiversität Schweiz die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten unerwartet hoch. Gewisse Pflanzen wie etwa die Schwarznessel und Brutvögel wie der Mauersegler, aber auch Moose wie beispielsweise das Silbermoos haben sich den Lebensbedingungen in Siedlungen angepasst.

72 Vogelarten in Schweizer Städten Eine unerwartet gleichmässig hohe Artenvielfalt wiesen Wissenschaftler in den drei Schweizer Städten Zürich, Luzern und Lugano nach: Im Schnitt wurden 4800 Individuen pro Erhebungsort nachgewiesen. Die Forscher verwendeten dabei Trichter und Fensterfallen für die wirbellosen Tiere. Die Beobachtung und akkustische Erkennung von Vögeln ergab ebenfalls ein vielflältiges Bild: 72 Arten wurden erkannt. Zudem identifizierten die Wissenschaftler zehn Fledermäuse in den drei schweizerischen Städten. Weiter stellten sie fest: Ältere Rasen beherbergen mehr Arten, wenn sie seltener geschnitten werden. Eine hohe Anzahl und die Vielfalt von Bäumen und Büschen beeinflussten den Artenreichtum und die Artenzusammensetzung der Vögel positiv.

BiodiverCity war ein Projekt des Nationalfonds Programmes NFP 54. Neu war, dass Ökologen mit Sozialwissenschaftlern, Praktikern und Interessenvertretern zusammen arbeiteten. Nicht nur die städtische Biodiversität, auch die Einstellung der Einwohner dazu, war ein Thema des Projekts. Wirbellose Tiere, Vögel und Fledermäuse wurden an 96 Standorten in den drei Städten Zürich, Luzern und Lugano erhoben, die als repräsentativ für mittlere bis grosse Schweizer Städte ausgewählt wurden.

Siedlung und Verkehr

Häuser, Strassen, Industrie und Parkanlagen: Die Siedlungsfläche in der Schweiz ist innert 20 Jahren um 13 Prozent gewachsen. In der gleichen Zeit ist der Landwirtschaftsboden um über 300 Quadratkilometer geschrumpft. Überbauungen zerschneiden die Landschaft in immer kleinere Bruchstücke. Auf diesen Flecken können viele Tiere und Pflanzen nicht mehr überleben.

Die Zerstückelung des Kantons St.Gallen

Die sogenannte effektive Maschenweite ist ein Indikator, wie stark eine Landschaft zerstückelt ist. Er gibt auf einer Landkarte an, wie gross einzelne unzerschnittene Lebensräume im Durchschnitt sind. In diesen Gebieten können sich Tiere frei bewegen, bevor sie von Strassen, Bächen oder Siedlungen aufgehalten werden. Im Kanton St.Gallen nahm die Maschenweite in den Jahren 1885 bis 2002 stark ab vor allem im dicht besiedelten Norden. Etwas mehr als die Hälfte aller Bauzonen liegen im Umkreis von fünf Minuten um ein Regionalzentrum. Beinahe zwei Drittel aller Bauzonen in einer Distanz von maximal fünf Minuten um einen Autobahnanschluss. Im Jahr 1940 waren im Kanton St.Gallen 2900 Personenwagen registriert – 60 Jahre später sind es bereits über 200’000 und jährlich kommen rund 5000 Autos hinzu. Mehr als drei Viertel der 7500 km befahrbaren Strassen im Kanton St.Gallen dienen der Feinverteilung und Erschliessung. Rund 20 % sind Hauptstrassen und nur 2 % Autobahnen und Autostrassen.

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